Gesellschafterstreit: Ein Gesellschafter blockiert alles
Die gefährlichsten Entscheidungen sind oft nicht die falschen, sondern die, die nie getroffen werden. Klare Rollen, klare Verantwortungsbereiche, ein gemeinsames Zielbild, das ist die strukturelle Seite des Problems.
Aber was, wenn ihr genau da schon steckt? Wenn eine Entscheidung getroffen werden soll, neue Software für die Baustellenplanung, eine Neueinstellung, ein neues Produkt, und einer eurer Gesellschafter bremst. Immer wieder. Bei jedem Thema.
Für die anderen in der Geschäftsführung fühlt sich das schnell wie Sturheit an. Oder wie Desinteresse. Aus einer sachlichen Frage wird so schnell ein handfester Gesellschafterstreit. Dabei steckt hinter dem Blockieren meistens etwas ganz anderes und Struktur allein löst es dann nicht mehr. Jetzt braucht es das Gespräch.
Warum Stillstand in der Geschäftsführung gefährlich wird
Unbeantwortete Fragen bleiben nicht neutral im Raum stehen. Sie kosten euch Tempo, Chancen und im schlimmsten Fall die wirtschaftliche Substanz eures Betriebs.
Unsere Geschäftsführerin Susanne Hasemann hat dazu kürzlich mit handwerk.com gesprochen. Ihre Kernaussage: Wenn wichtige Fragen im Betrieb nicht entschieden werden, kann das für Handwerksbetriebe existenzbedrohend werden.
Und es bleibt nicht bei der Geschäftsführung. Die schlechte Stimmung sickert ins Team durch. Mitarbeitende spüren, wenn oben nichts vorangeht und das färbt ab.
Wie aus Blockaden ein Gesellschafterstreit wird
Die häufigste Fehleinschätzung: Man hält den Bremser für stur oder böswillig. Tatsächlich ist es fast immer das Gegenteil. Dahinter steckt in den meisten Fällen die Angst vor Konflikten, auch wenn das im ersten Moment widersprüchlich klingt. Schließlich wirkt Blockieren ja selbst wie eine Form von Konflikt.
Der Punkt ist: Ein inhaltlicher Konflikt wird durchs Blockieren nicht ausgetragen, sondern nur vertagt.
Weitere typische Gründe:
Überforderung:
Der Gesellschafter fühlt sich von der Entwicklung überrollt und zu wenig eingebunden
Kontrollbedürfnis:
Daraus entsteht der Wunsch, das Tempo rauszunehmen
Ungeübtheit im Umgang mit Konflikten:
Viele Menschen haben schlicht nie gelernt, Meinungsverschiedenheiten offen auszutragen
So löst ihr die Blockade: das Gespräch in drei Phasen
Wichtig vorweg: Wenn ihr gerade mitten in einer inhaltlichen Diskussion steckt, ist das nicht der richtige Moment. Erst mal Luft rauslassen, dann einen eigenen Termin vereinbaren, ungestört, ohne Zeitdruck.
In diesem Gespräch geht es nicht um die zehn Entscheidungen, die gerade in der Warteschleife hängen. Es geht ausschließlich um das Verhalten des Bremsers, seine Sicht der Dinge und mögliche Lösungen.
Phase 1: Ziel klären
Sagt zu Beginn klar, worum es geht: „Wir möchten die Zusammenarbeit in der Geschäftsführung stärken. Dafür brauchen wir deine Hilfe.“ So ein Satz reicht schon, um Verteidigungshaltung erst gar nicht aufkommen zu lassen.
Phase 2: Das Thema ansprechen
Jetzt wird’s inhaltlich. Aber ohne Vorwürfe. Arbeitet stattdessen mit Ich-Botschaften und offenen Fragen:
Beobachtung: „Uns ist aufgefallen, dass wir nach Konflikten tagelang nicht mehr darüber sprechen.“
Folge: „Das sorgt bei uns für Unsicherheit.“
Nachfrage: „Wie erlebst du das?“
Lösung: „Wie gehen wir künftig damit um?“
Und dann: zuhören. Wirklich zuhören, ohne sofort zu kontern. Pausen aushalten. Wenn der andere mit Einzelbeispielen kommt, lasst euch nicht drauf ein und rechtfertigt euch nicht. Ein kurzes „Danke, dass du das so offen sagst“ reicht, dann zurück zum eigentlichen Thema. Und: Auch ihr solltet keine alten Kamellen aus der Vergangenheit rauskramen. Das bringt euch vom Ziel weg.
Phase 3: Maßnahmen und Termine festlegen
Am Ende braucht ihr etwas Greifbares. Das muss keine fertige Lösung sein, auch ein weiterer verbindlicher Gesprächstermin zählt. Hauptsache, ihr geht nicht ohne konkretes Ergebnis auseinander.
Vorbeugen ist besser als reparieren
Am wirkungsvollsten ist es, solche Blockaden gar nicht erst entstehen zu lassen. Dafür braucht es feste, regelmäßige Gesellschafterrunden, mindestens einmal im Monat, besser wöchentlich. Mit klarer Tagesordnung und Protokoll, in dem ihr für jedes Thema festhaltet:
- Wo stehen wir? Was ist erledigt, was läuft noch?
- Welche Ziele haben wir bis zum nächsten Treffen?
- Wer macht bis wann was?
Diese Verbindlichkeit macht Fortschritt, und eben auch Verzögerungen, sofort sichtbar. Und sie nimmt dem Thema die Wucht: Wenn ihr sowieso jede Woche im Austausch seid, wird aus einer Blockade seltener ein handfester Konflikt.
Am Ende gehören beide Ebenen zusammen: Klare Strukturen verhindern, dass jede Entscheidung zur Grundsatzdiskussion wird. Und wo trotzdem jemand blockiert, hilft nur das offene Gespräch, nicht noch eine weitere Besprechung. So bleibt aus einer Meinungsverschiedenheit ein sachliches Thema, statt dass daraus ein langwieriger Gesellschafterstreit wird.
Susanne Hasemann, Geschäftsführerin von Litano Coaching, wurde zu diesem Thema von handwerk.com interviewt. Den vollständigen Artikel findet ihr hier: GmbH: Was tun, wenn ein Gesellschafter alles blockiert.
Steckt ihr gerade selbst in einer festgefahrenen Gesellschafter-Situation? Lasst uns im kostenlosen Strategiegespräch draufschauen.
Quelle Foto: www.magnific.com
