Was kann ein Chef tun, wenn ein Mitarbeiter Probleme hat und die Arbeit darunter leidet? Wann muss er handeln, etwa weil die Kollegen unter dem Verhalten leiden?
Das kommt ganz auf die Probleme an. Wichtig ist das Problem, auch wenn es in deinen Augen keines ist, ernst zu nehmen. Phrasen wie „ist schon nicht so schlimm“ oder „wird schon wieder“ sind wenig hilfreich.
Jedes Problem bedarf für jeden Mitarbeiter eine spezielle Sichtweise. Daher gilt es immer mit W-Fragen, also Informationsfragen, zu ergründen, was genau hinter dem Problem steckt. Die Warum-Frage ist unbedingt zu vermeiden, da es eine persönliche Rechtfertigung erzeugt. Besser ist beispielsweise „Wie kam es dazu?“.
Ein möglicher Schritt ist, dem Mitarbeiter zu helfen sein Problem selbst zu lösen. Frage ihn zum Beispiel „Wenn du jemanden triffst, der dir dein Problem schildert; was würdest du ihm raten?“ Der Mitarbeiter geht aus der Problemrolle für einen Moment heraus. Manchmal kann dies schon ein wenig helfen.
Praktische Hilfe kann gut geleistet werden bei finanziellen Themen; da kann ein Mitarbeiterdarlehen helfen. Doch Achtung: Lass dir die Finanzen offenlegen und sorge dafür, dass der Mitarbeiter auch regelmäßig eine kleine Summe anspart.
Probleme von Mitarbeitern (von uns allen) sind natürlich vielschichtig:
Scheidung, interne Konflikte, finanzielle Sorgen, Trauer, Krankheit, Eltern, die gepflegt werden müssen, Alkoholprobleme. Letzteres muss in jedem Falle angesprochen werden, da es auch eine Fürsorgepflicht gibt, die der Arbeitgeber zu erfüllen hat. Falls es zu einer Gefährdung anderer Personen oder ähnlichem kommt, ist es sicher gut, nachgewiesen zu haben, dass über dieses Thema gesprochen wurde, am besten im Beisein einer weiteren Person. Dieses Thema ist jedoch ein Sonderthema, da es rechtliche Rahmenbedingungen gibt.
Bei allen anderen privaten oder geschäftlichen Themen ist es als Arbeitgeber oft nicht einfach zu helfen. Private Probleme erzählt ein Mitarbeiter nicht gerne seinem Chef, selbst wenn du ihn danach fragst. Hier kann ein Außenstehender (ein Freund, Kollege oder Coach) neue Impulse und Rückenstärkung geben. Aber: Freunde helfen gerne, sind aber aus Sympathie deinem Mitarbeiter gegenüber nicht immer objektiv. Das ist bei der Problembewältigung weniger hilfreich.
Vielleicht gibt es Möglichkeiten deinen Mitarbeiter in der aktuellen Situation zu entlasten. Frage ihn, womit du ihn unterstützen kannst. Vielleicht ist es möglich, die Aufgabenverteilung im Sinne des betroffenen Kollegen zu verändern oder ihm ein paar freie Tage anzubieten? Es gibt viele Möglichkeiten zu helfen das Problem deines Mitarbeiters zu lösen.
Liegt der Grund für die Probleme deines Mitarbeiters in Konflikten im Team, z.B. Mobbing, musst du in jedem Fall handeln. Darunter kann die gesamte Stimmung des Teams, aber auch deren Effizienz beim Arbeiten leiden.
Ergründe möglichst genau, was den betroffenen Mitarbeiter belastet. Führe dann ein Gespräch mit jeder am Konflikt beteiligten Person. Danach solltest du ein Gespräch zusammen mit allen betroffenen Personen führen. Du agierst als Moderator. Wenn du dafür Unterstützung brauchst, beauftrage einen Profi, z.B. einen Coach oder einen Mediator. Wichtig: Eine Mediation kann nur Erfolg haben, wenn die Beteiligten zustimmen.
In jedem Fall ist eine Gesprächsvorbereitung mit der Ziel Fokussierung „was soll das Gesprächsergebnis sein“ sehr wichtig.
Ganz wichtig: Signalisiere deinem Mitarbeiter Verständnis und Unterstützung.
Versichere ihm, dass er dir genauso wichtig ist, ob er Probleme hat oder nicht und mache ihm klar, dass er nicht seinen Job verlieren wird, wenn es ihm mal schlecht geht.
Für dich als Arbeitgeber ist es sehr wichtig, dass dein Mitarbeiter sein Problem löst. Mitarbeiter, die sich unwohl fühlen, sind weniger motiviert und machen häufiger Fehler. Sie sind außerdem öfter krank und weniger effizient, da sie durch die Probleme eher unkonzentriert sind.
Investiere in das Beste, das du hast – deine Mitarbeiter! Deine Mitarbeiter werden diese Fürsorge zu schätzen wissen.
In diesem Sinne wünsche ich dir einen schönen Tag.
Deine
Susanne Hasemann
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